Jüdische Familien und Personen A – F


Amariglio, Samuel und Rudolf

Familie Amariglio 1993; Erika erste v.li., Rudolf zweite Reihe Mitte

Familie Amariglio 1993; Erika erste v.li., Rudolf zweite Reihe Mitte

In der Bahnhofstraße 6 wurde am 13. April 1923 Rudolf Amariglio geboren. Sein Vater, Samuel Amariglio, war seit 1914 – im Matrikelbogen eingetragen als „Samy“ Amariglio – Student an der Bergakademie Freiberg gewesen und hatte hier am 21. Dezember 1920 sein Diplom als Bergingenieur erworben.

Samuel Amariglio war am 12. April 1896 in Kavalla im damals noch zum Osmanischen Reich gehörenden Makedonien geboren worden. Daher führte ihn die Freiberger Meldeliste als „Türken“. Samuel Amariglio lernte während seines Studiums eine evangelische Christin, Margarete Therese Uhlig aus Freiberg kennen und heiratete sie 1920 in Freiberg. Nach der Geburt des Sohnes Rudolf 1923 ging die junge Familie 1926 in das inzwischen griechische Makedonien, nach Thessaloniki, zurück. Schon im Freiberger Einwohnerbuch 1924/25 taucht der Name Amariglio nicht mehr auf. Samuel Amariglio gehörte zu den vielen sephardischen Juden aus Thessaloniki, deren Geschichte in dieser Region bis in die römisch-byzantinische Zeit zurück reichte. Ihre reiche kulturelle und soziale Identität führte dazu, dass Thessaloniki in der Blütezeit der sephardischen Gemeinde im 16.  Jahrhundert als „sephardische Metropole“, als „Jerusalem des Balkan“ und „Mutter Israels“ bezeichnet wurde. Rund 20.000 Juden sollen um 1550 hier gelebt haben. Die meisten von ihnen waren nach 1492 aus Spanien und Portugal vertrieben worden. Am 9. April 1941 besetzte die deutsche Wehrmacht Thessaloniki (in der deutschen Kurzform meist als Saloniki bezeichnet). Unmittelbar nach dem Einmarsch setzten die ersten antijüdischen Maßnahmen gegen die ca. 49.000 Juden ein, die hier lebten. Jüdische Honoratioren wurden verhaftet, Wohnungen konfisziert, jüdische Zeitungen verboten, einmalige jüdische Literatur- und Kunstschätze geraubt. Anfang Februar 1943 begann die systematische Vernichtung der Juden in Thessaloniki. Juden mussten nun – wie überall in den von Deutschen besetzten Ländern – den gelben Stern tragen. Samuel Amariglio wurde – da mit einer Nichtjüdin „deutscher Herkunft“ verheiratet – „für die Dauer dieser Ehe…von der Verpflichtung die griechischen Staatsangehörigen jüdischer Abstammung auferlegten Beschränkungen zu erfüllen, befreit“, wie eine Bescheinigung der deutschen Militärverwaltung vom 10. März 1943 belegt. Der inzwischen 20-jährige Sohn Rudolf wurde als Dolmetscher bei der Feuerwehr angestellt und schloss sich dort der griechischen Widerstandsbewegung an. Noch im Februar 1943 ging der erste Transport von Juden aus Thessaloniki in das Vernichtungslager Auschwitz. In 17 Transporten wurden bis August 1943allein 48.233 Juden aus Thessaloniki nach Auschwitz deportiert. Der 18. Transport, mit dem auch der Judenrat von Saloniki deportiert wurde, führte in das KZ Bergen-Belsen. Insgesamt verschleppten die Deutschen mindestens 54.500 griechische Juden nach Auschwitz, von denen 41.776 sofort ermordet wurden. Weniger als 2.000 Juden kehrten nach dem Krieg nach Griechenland zurück.

Rudolf Amariglio heiratete nach dem Krieg, 1947, Erika Kounio, Tochter eines griechischen Kaufmanns aus Thessaloniki und einer österreichischen Mutter, aufgewachsen in Wien und Karlsbad. Die Eltern von Erika hatten sich während der Leipziger Messe kennengelernt. Hella Löwy, Tochter einer gutbürgerlichen jüdischen Familie aus Karlsbad, studierte in Leipzig Medizin. Salvator Kounio heiratete sie dort 1925. Das junge Ehepaar wohnte in Thessaloniki, wo Tochter Erika im März 1926 geboren wurde. Mit ihrem Vater, ihrer Mutter und ihrem 1928 geborenen Bruder Heinz gehörte Erika Ende März 1943 zu den ersten nach Auschwitz deportierten griechischen Juden. Über ihr Schicksal und das ihrer Familie hat sie den ergreifenden autobiografischen Bericht „Damit es die ganze Welt erfährt: Von Saloniki nach Auschwitz und zurück 1926-1996“ geschrieben.

Ehrung Arnariglio

Die Stadt Freiberg ehrt Rudolf Amariglio zum 90. Geburtstag

Matrikelbogen Nr. 5901; UniArchiv Freiberg

Matrikelbogen Nr. 5901; UniArchiv Freiberg

Bahnhofstraße 6; heutige Ansicht

Bahnhofstraße 6; heutige Ansicht

 


Balkind (Schuhhaus), Obermarkt 14 a

Inhaber: Isaak Balkind (Chemnitz) – Geschäft Petriplatz 10, Eingang Obermarkt 14a, Gewerbeanmeldung am 15.05.1925 (Handel mit Schuh- und Filzwaren); Geschäftsführer: Leo Balkind (Petriplatz 10)

Werbung im Freiberger Anzeiger, 12.12.1925

Werbung im Freiberger Anzeiger, 12.12.1925

Isaak Abel Balkind Kopie

Isaak Balkind – Sammlung Jürgen Nitzsche, Mittweida

 

Die Freiberger Filiale des Chemnitzer Schuhhändlers Isaak Balkind, Obermarkt 14a, wurde 1938 enteignet und „arisiert“ als Schuh- und Filzwarengeschäft F. Bachmann weitergeführt

 

 

 

 


Baum, Hermann und Anna, geb. Basch

Konfektionsgeschäft Hermann Baum; Aufnahme 1918; Archiv Düsing

Konfektionsgeschäft Hermann Baum; Aufnahme 1918; Archiv Düsing

Freiberger Anzeiger, Nr. 84 (1925)

Freiberger Anzeiger, Nr. 84 (1925)

 

Freiberger Anzeiger, 7. Juni 1910

Freiberger Anzeiger, 7. Juni 1910

 

 

Die Familie Baum gehörte zu den jüdischen Kaufmannsdynastien, die schon relativ früh, in den 70er und 80er Jahren des 19. Jahrhunderts, versuchten, im sächsischen Freiberg eine neue Existenz zu begründen. Für 1881 ist ein Textilgeschäft der Kaufleute Isaak und Bernhard Baum in der Burgstraße/Ecke Obermarkt erstmals im Freiberger Adressbuch erwähnt.

In den 80er Jahren meldete Hermann Baum ein „Herren-, Damen- und Kinderkonfektionsgeschäft“ als Gewerbe in der Kesselgasse 1a/Ecke Burgstraße an.

Gartenfest 1912 in Freiberg: 3. v. re.: Elsa Baum

Gartenfest 1912 in Freiberg: 3. v. re.: Elsa Baum

Die Familie Baum stammte aus der damals westpreußischen Provinz Posen, wo Hermann Baum 1856 in Schrimm (heute: Śrem), südlich von Posen, geboren wurde. Seit 1887 wohnte Hermann Baum dauerhaft in Freiberg. In Posen heiratete er 1891 seine Ehefrau Anna Baum (geb. Basch 1869 in Posen). In Freiberg kamen ihre drei Kinder zur Welt: 1891 Berthold, 1894 Elsa, 1898 Fritz. 1908 Aufnahme der Baums in den sächsischen Staatsverband. Hermann Baum verstarb 1910 in Freiberg. Seine Witwe führte das bei den Freibergern beliebte Geschäft nach seinem Tod noch bis 1931 weiter, verkaufte es und verzog (vermutlich nach Berlin).

 

Gunter Demnig verlegt den ersten Stolperstein in Freiberg am 6. Juli 2007 für Fritz Baum

Gunter Demnig verlegt den ersten Stolperstein in Freiberg am 6. Juli 2007 für Fritz Baum

Kesselgasse 1a Stolperstein für Fritz Baum_a

 

 

 

 

 

 

 

Weitere Informationen sind spärlich. Wann Anna Baum verstarb, ist unbekannt. Sohn Berthold und Tochter Elsa, die schon in den frühen 20er Jahren Freiberg verlassen hatten, überlebten den Massenmord der Nazis. Am 12. März 1943 wurde Fritz Baum von Berlin aus in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort wahrscheinlich unmittelbar nach Ankunft des Transports vergast.


Beier, Rosa, geb. Keßler

(geb. 21.02.1893 in Freiberg – ermordet 02.03.1943 Auschwitz)

Nur wenige Jahre, vermutlich von Mitte der 80er Jahre bis 1893/94, lebte die Kaufmannsfamilie Keßler in Freiberg. Robert Keßler, geboren 1866 in Hamm / Westfalen, und seine Frau Lea, geb. Lachmann 1863 in der Provinz Posen, übernahmen den Textilladen von Sally Gutmann und führten ihn als „Herrenmodebazar“ in der Borngasse 2/Ecke Weingasse weiter.

Nachricht von Alphonse Levy (1884-1893 Redakteur am Freiberger Anzeiger/dann Generalsekretär des ZV deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens) über die Hetzkampagne gegen Keßler

Nachricht von Alphonse Levy (1884-1893 Redakteur am Freiberger Anzeiger/dann Generalsekretär des ZV deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens) über die antisemitische Hetzkampagne u.a.  gegen Keßler

Sie kamen in einer Atmosphäre nach Freiberg, die durch heftige antisemitische Attacken neidischer, alteingesessener Freiberger Schneider und Händler auf die zunehmende Zahl jüdischer Geschäfte aufgeladen war. Ihren Höhepunkt erreichten die Hasstiraden, als im Herbst 1890 Keßlers Geschäft in Flammen aufging und Unterstellungen und Gerüchte Nahrung fanden, der Jude Keßler habe seinen Laden selbst angezündet, um die Versicherung zu prellen. In einem solchen Klima wurde im Februar 1893 Tochter Rosa in Freiberg geboren, im März 1894 Tochter Ilse. Da aber hatten die Keßlers bereits aufgegeben und beschlossen, Freiberg wieder zu verlassen. Nur drei Wochen nach der Geburt des zweiten Kindes verzog Familie Keßler ins fränkische Hof, in der Hoffnung, hier eine bessere Existenz begründen zu können.

Geschäftsaufgabe. Anzeige 1893 im Freiberger Anzeiger

Geschäftsaufgabe. Anzeige 1893 im Freiberger Anzeiger


Die Saat des antisemitischen Hasses erreichte Tochter Rosa Beier, geb. Keßler, fünf Jahrzehnte später. Inzwischen in Berlin-Friedrichshain wohnend, wurde sie am 1. März 1943 nach Auschwitz deportiert und am Tag der Ankunft im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau am 2. März sofort in der Gaskammer ermordet.


Benedict, Maximilian


geb. 26.03.1872 in Landau (Pfalz) – 25.12.1949 in Freiberg, Sohn des Kaufmanns Leopold Benedik und seiner Ehefrau Sofie, geb. Michel, beide verstorben und zuletzt whft. in Landau
Gewerbeanmeldung: 20.11.1911 als Spitzenverleger (Gewerbeanmeldungs-Nr. 265/1911); 21.10.1912 Eheschließung mit der Modistin Helene Hedwig Steigenberger (geb. 1883 in Frankenberg); beide evang.-luth.
Aufnahme in den „Sächsischen Staatsuntertanenverband“ am 15.02.1919
Wasserturmstr. 3, ab 1919 Bertholdsweg 33

bis 1938: Leiter der Filiale Freiberg der „Fabrik leonischer Waren Benedict & Dannheiser GmbH, Gold- und Silber-Spinnerei und –Weberei“

Wachbucheintrag Polizeirevier Obermarkt am 10.11.1938: „Folgende Durchsuchungen wurden in der Zeit von 18:00 Uhr bis 20:00 Uhr durchgeführt:…c) durch Hptw. Freyberg und Grundmann bei…Benedict . Bertholdsweg 33 Erfolg: 1 Militärseitengewehr gefunden…vorläufig festgenommen worden
(„Tagebuch des Polizeireviers“, 07.10.1938 – 31.12.1938; Stadtarchiv Freiberg X XVIIb 116)

„Arisierung“ der Firma: geht am 03.12.1938 auf die Firma Gunkel & Co. über, die ihre Beziehungen zu dem bisherigen Leiter der Filiale Freiberg auflöst – dergestalt, dass ab 01.11.38 keinerlei Leistungen mehr „von genanntem Herrn“ angenommen werden – Gewerbeabmeldung: 30.11.1938
(Stadtarchiv Freiberg, Abt. I Sekt, XVIa Nr. 28, Gewerbesteuerakte Firma Benedict & Dannheiser GmbH, Ausgabestelle für Klöppelspitzen und Fransen (Fabrik leonischer Waren), Bertholdsweg 33, 1926 – 1939)


Biber, Hermann

Hermann Biber

Hermann Biber

Hermann Biber (geb. am 8.12.1869 in Stargard/Preußen) absolvierte von 1884-1888 eine Lehre als Verkäufer beim Textilwaren-Einzelhandel. In Leipzig lernte er seine erste Frau Rosette (geb. Jacoby, 1871-1932) kennen und heiratete sie im Jahr 1895. Zusammen hatten sie drei Kinder Curt, Margarethe und Johanna.
Später zogen die Bibers nach Leipzig, dann nach Dresden, wo Hermann als Prokurist in einer Textilfirma arbeitete. Rosette verstarb in Dresden am 30.September 1932. In der Familie war Hermann Biber als sehr lieb, gesellig und fröhlich bekannt. Er kannte alle Opern und liebte es, den Enkelkindern Brigitte, Ursula und Rosemarie selbst erdachte Märchen zu erzählen.
Seine Frau Rosette fertigte oft Kelim-Stickereien, wie zum Beispiel Teppiche an.

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Curt, Margarethe und Johanna

 

Hermann und Rosetta Biber

Hermann und Rosetta Biber

 

 

 

 

 

Curt Biber mit seinen Eltern

Curt Biber mit seinen Eltern

Curt Biber, Sohn von Hermann und Rosette, wurde am 10. Dezember 1895 in Leipzig geboren.
Mit jungen 19 Jahren ging er zur Front. Er diente in der Königlich-Sächsischen Armee (8. Kompanie, 3. Regiment 146) unter König Friedrich August III. und fiel am 15. Oktober 1916 in Gheluwe-Koelberg/Belgien in der Nähe von Ypern. Curt wurde als einjähriger Gefreiter auf dem Soldatenfriedhof in Ypern begraben, später nach Menen überführt und auf dem dortigen Soldatenfriedhof beigesetzt.

 

 

 

Im Jahr 1941 ging Hermann Biber eine zweite Ehe mit Ilse, geb. Michalowski ein, die er im „Judenhaus“ auf der Kurfürstenstraße (heute Hoyerswerdaer Straße) kennen lernte. Später mussten sie zwangsweise in das „Judenhaus“ Sporergasse 2 umziehen. Beide wurden am 28. Juli 1942 mit dem Transport V/3 nach Theresienstadt deportiert. Ilse arbeitete dort als Pflegerin. Sie erkrankte 1943 schwer an Thyphus und starb daran nach der Befreiung in Theresienstadt. Hermann betreute sie bis zu ihrem Tode am 30. Juli 1945 und zog anschließend zu seiner Tochter Johanna nach Freiberg. In der Jüdischen Gemeinde war Hermann Biber nach dem Krieg als Vorbeter aktiv, da es weder Rabbiner noch Kantoren gab. Solange es ihm möglich war, fuhr er zu jedem Gottesdienst nach Dresden, um dort sein Amt zu verrichten. Aus diesem Grund wird noch heute sein Grab vor der Gemeinde betreut. Er verstarb am 11. September 1951 in Freiberg.

Grabstein Hermann Bibers auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in Dresden

Grabstein Hermann Bibers auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in Dresden

Grabstätte der Rosette Biber und ihrer Töchter auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in Dresden

Grabstätte der Rosette Biber und ihrer Töchter auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in Dresden

johanna

Johanna Patzschke, geb. Biber


 

 

 

 

 

 

 

 

 

Margarethe wurde am 10. Februar 1901 in Leipzig geboren. Ihr Vater Hans Perthel war Kaufmann und Nichtjude. Er war Christ. Die gelernte Opernsängerin hatte eine Tochter, namens Rosemarie. Margarethe wurde am 31.Mai in Auschwitz vergast.

Johanna Patzschke, geb. Biber, geboren am 18. November 1896 in Leipzig, heiratete am 30. Juli 1920 den evangelischen Albert Hans Walter Patzschke (gest. 12. August 1971). Mit ihren gemeinsamen Töchtern Ursula Margarethe Erna (geb. 28. Januar 1925 in Leipzig) und Brigitte Ingrid (geb. 5. Juni 1930 in Leipzig) zogen sie 1935 nach Freiberg.

Hans Patzschke war Soldat im 1. Weltkrieg und wurde erneut 1939 zur Armee eingezogen (Einsatz: Polen, Frankreich). Bei der Freiberger Textilfirma „Rönsch“ arbeitete er als Handlungsreisender. 1940/41 wurde er zur Zwangsarbeit verpflichtet, wo man ihn als Geschäftsführer in der Freiberger Firma Beier einsetzte. 1944 wurde er verhaftet und musste in ein Lager der Organisation Todt nach Osterode. Zum Kriegsende gelangte er nach Bayreuth, wo er sich eine neue Existenz aufbaute. Die Versuche, seine Familie nachkommen zu lassen, scheiterten an der Spaltung Deutschlands im Kalten Krieg nach 1945. Hans starb dort im August 1971. Während der NS-Zeit konnte er seine Frau Johanna davor bewahren, den Stern tragen zu müssen, da sie mit ihm in sog. „privilegierter Ehe“ stand. Dennoch erhielt sie ihren Deportationsbefehl für den 16. Februar 1945. Dieser Transport nach Theresienstadt kam auf Grund des Bombenangriffs auf Dresden aber nicht mehr zustande. Auch sie war dienstverpflichtet worden: in Heimarbeit stickte Johanna Pailletten und Uniformkragen.

klassenbildTochter Brigitte (Foto 3. Reihe, 4. v.l.) berichtete von ihren täglichen Qualen in der Schule während der Nazizeit: „Viel schlimmer war es nach den Schulstunden. Oft lauerten meine Mitschüler vor der Schule auf mich, um mich zu verprügeln und ich lebte in ständiger Angst vor dem Heimweg. Meist wartete ich noch Stunden nach dem Schulschluss im Klassenraum, bis ich hoffen konnte, ohne Schläge und Beschimpfungen nach Hause zu kommen. Meine Freundin hielt zu mir und harrte Stunden voller Angst mit mir aus.“

 


Braun, Salomon und Gitta, geb. Weiß

Grabstelle Salomon Braun

Grabstelle Salomon Braun, Neuer Israelitischer Friedhof Dresden, NTL 08/11

"Kaufhaus Braun"; Archiv Düsing

„Kaufhaus Braun“, Erbische Straße 3/Ecke Hornstraße; Archiv Düsing

Salomon Braun, geb. 09.01.1867 in Elbing, Prov. Westpreußen – gest. 24.07.1919 Freiberg;
am 05.05.1902 von Berlin nach Freiberg gekommen;
Gewerbeanmeldung: 06.05.1902 (ein Monat nach Eheschließung in Dresden mit Gitta, geb. Weiß, geb. 1973 in Bautzen) „Kurz-, Weiß-, Wollwaren-, Manufakturarbeit“
„Kaufhaus Braun“ – Erbische Str. 3/Ecke Hornstraße

Freiberger Anzeiger v. 1. Oktober 1903

Freiberger Anzeiger v. 1. Oktober 1903

 

Wegen „Aufgabe des jetzigen Ladens“ (Erkrankung von Salomon Braun) nach 1903 Neueröffnung in der Burgstr. 24 (heute Burgstraße 20): „Handel mit Konfektionsartikeln“ im „Blusenhaus S. Braun, Inh. Gitta Braun“

Am 1. April 1929 meldet Gitta Braun ihr Gewerbe ab. Nach dem Machtantritt der Nazis lebt Gitta Braun mit ihrer Schwester Celestine Silberstein, geb. Weiß am 10.03.1876 in Bautzen), weiter in der Burgstraße 24 und betreibt noch bis 1938 eine Ausleihe von Büchern der Jüdischen Gemeinde Dresden für die wenigen in Freiberg verbliebenen jüdischen Einwohner Freibergs. Im „Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden“, Nr. 5, 01.03. 1937 und Nr. 1, 01.01.1938, ist zu lesen: „Die Gemeindemitglieder in Bautzen, Freiberg, Meißen, Pirna werden darauf aufmerksam gemacht, daß die Nachgenannten (darunter)…Frau Gitta Braun, Freiberg, Burgstr. 24…Bücher der Gemeindbibliothek zur unentgeltlichen Entnahme jederzeit bereit halten“.

1940 werden Gitta Braun (geb. Weiß) und ihre Schwester Celestine Silberstein (geb. Weiß) in ein Dresdner „Judenhaus“ in der Zeughausstraße 1 zwangsweise umgesiedelt.

Todesfallanzeige Gitta Braun Theresienstadt 11023

Todesfallanzeige Gitta Braun, Ghetto Theresienstadt

Mit dem Transport V/1-42 werden beide am 1. Juli 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Gitta Braun stirbt dort am 2. November 1942.

Schwester Celestine stirbt im Ghetto Theresienstadt am 16. März 1943.

Stolpersteine verlegt am 15. Oktober 2008

Stolpersteine verlegt am 15. Oktober 2008

 

 

 

 

 

 

 

siehe auch unter „Stolpersteine in Freiberg“


Dobkowsky, Sally und Franziska, geb. Brotzen

Franziska und Sally Dobkowsky, Aufnahme um 1890

Franziska und Sally Dobkowsky, Aufnahme um 1890

 

Sally Dobkowsky, geb. 06.07.1863 in Ssynczyn – gest. 03.01.1939 Freiberg
Franziska Dobkowsky, geb. Brotzen, am 12.06.1864 in Reetz – gest. 16.12.1936 Freiberg.

Eine Cousine von Franziska, Betty, geb. Brotzen, war die Mutter von Gerhard Scholem, bekannt als Gershom Scholem (1897 – 1982), jüd. Religionshistoriker. Als Kind besuchte er häufig mit seiner Mutter Freiberg.

Am äußersten linken Bildrand Textilgeschäft Dobkowsky in der Poststraße 16

Am äußersten linken Bildrand Textilgeschäft Dobkowsky in der Poststraße 16

Das Kaufmannsehepaar kam 1901 aus dem ostpreußischen Allenstein (heute: Olsztyn) nach Freiberg. Es wohnte in der Poststraße 16 (2. Etage) und betrieb im Erdgeschoß ein „Posamenten- und Weißwarengeschäft“.

Hochzeitsbild Arno in DD

Hochzeitsbild Arno und Elsbeth Dobkowsky, aufgenommen 1920 in Dresden

Das Ehepaar hatte sechs Kinder:
Arno (Aaron), geb. 23.08.1886 in Belgard/Pommern, EK 2 im 1. Weltkrieg; am 26.12.1920 Hochzeit mit Elsbeth Johanna Oppenheim; Versicherungskaufmann; 1937 Umzug aus Glogau/Schlesien nach Berlin
1942 Deportation nach Theresienstadt, dort 1943 gestorben; Elsbeth gest. 1944 Auschwitz
Drei Kinder: Ursula, geb. 17.11.1923, 1939 Kindertransport nach England (lebte nach 1945 als Ester Golan in Jerusalem); Bruder Peter (lebte nach der Flucht aus Deutschland als Zwi P. Dobkowsky in Tel Aviv) und Schwester Marianne Renate.

Betty, geb.1888 Allenstein, heiratete nach Bremen, Emigration USA, drei Söhne

Frieda, geb.09.11.1890 Allenstein, gest. am 31.07.1922 an TBC (Grabstein ATL 06/06 Neuer Israelit. Friedhof Dresden)

Grete, geb.10.02.1893 Allenstein (Ostpreußen); übernahm den Laden der Eltern 1922 (Gewerbeanmeldung: 25.01.1922) nach der Hochzeit mit dem Kaufmann Max Pinkus, geb. 1887 in Gatersleben; Sohn Werner, geb. 1926 in Freiberg; Grete und Max Pinkus wurden am 19. Januar 1942 von Berlin aus in das Ghetto Riga deportiert und ermordet. Sohn Werner wurde 1939 mit einem Kindertransport nach England gerettet und lebt in Israel.

Toni, geb. 1895 Allenstein, heiratete einen evang. Dorfschullehrer in Drebach/Erzgebirge, konvertierte zum Christentum, 1942 Deportation von Dresden in das Ghetto Theresienstadt, Tod in Auschwitz. Ihrer Tochter Marianne gelang die Flucht über Frankreich nach England.

Theodor, geb. 1898 Allenstein, Zahnarzt, Praxis in Magdeburg, im 1. Weltkrieg Träger des Eisernen Kreuzes; 1938 KZ Buchenwald, danach Auswanderung nach Ecuador; 1963 an einer Tropenkrankheit verstorben.

Ester Golan (Ursula Dobkowsky) veröffentlichte 1994 den Briefwechsel mit ihren in Deutschland gebliebenen Eltern, die sie nie wiedersah:
Ursula Dobkowsky (Ester Golan) im Winter 1938/39 kurz vor der Ausreise nach England

Ursula Dobkowsky (Ester Golan) im Winter 1938/39 kurz vor der Ausreise nach England

Ester Golan: Auf Wiedersehen in unserem Land. Briefwechsel mit ihren Eltern; 1995

Ester Golan: Auf Wiedersehen in unserem Land. Briefwechsel mit ihren Eltern; 1995

Ester Golan im Gespräch mit Jugendlichen des Shalom-Projekts 1998 in Dresden

Ester Golan im Gespräch mit Jugendlichen des Shalom-Projekts 1998 in Dresden

"Vergiß Deine Eltern nicht" - Abschiedsgruß der Mutter Elsbeth

„Vergiß Deine Eltern nicht“ – Abschiedsgruß der Mutter Elsbeth

 

 

 


Druck, Salomon (Szolem)

Druck, Salomon (Szolem), „staatenlos“ („russ.-poln.“), geb. am 1. Mai 1887 in Wilna, seit 1918 in FG (Genehmigung Umzug am 24.05.1918 von Berthelsdorf nach Freiberg); verheiratet mit Selte Druck, geb. Eljaschewitz,
Schuhmacher (Gewerbeanmeldung am 22.03.1924)
Wohnungen/Werkstatt: zunächst Am Schießplan B 293 B, Baracke 4; (AB 1924/25); seit 9/1924 Am Bahnhof 14 (AB 1928/29 + AB 1932); Bahnhofstraße 41 (Adressbuch 1936/37); letzte freiwillige Wohnanschrift: Humboldtstraße 34

Eintrag Wachbuch Polizeirevier Obermarkt am Sonntag, 25.12.1938 (Stadtarchiv Freiberg, XXVIIb95):

"Beweggründe des Selbstmords: wahrscheinlich Lebensüberdruß"

„Beweggründe des Selbstmords: vermutlich Lebensüberdruß“

„Gegen 9:40 wurde fernmündlich gemeldet, daß sich im Hause Humboldtstr. Nr. 34 ein Mann mit Gas vergiftet habe. Es wurde sofort der Sauerstoffapparat bestellt, der aber nicht in Tätigkeit gesetzt zu werden brauchte, da der Tod, wie später durch den Arzt festgestellt worden ist, bereits eingetreten war. In dem Toten handelt es sich um den jüdischen Schuhmacher Szalom Druck, geb. am 1. Mai 1887 in Wilna, wohnhaft Humboldtstraße Nr. 34. In Abwesenheit des Polizeiarztes hat der Arzt vom Sonntagsdienst, Dr.med. Schelbach festgestellt, daß der Tod schon vor 4-5 Stunden eingetreten sein konnte. Die Aufhebung ist gegen 10:15 Uhr durch den Unterzeichneten erfolgt. Die Leiche ist von den städtischen Arbeitern Uhlmann und Breitfeld…nach der Halle des Donatsfriedhofes gebracht worden…“


Dux, Richard und Ida, geb. Wehle

Dux, Richard, geb. 21.04.1856 in Neuötting (Nova Včelnice), Bez. Kamenitz/Österreich; am 15.06.1907 aus Welin i. Böhmen nach Freiberg gekommen – gest. 17.06.1928 in Freiberg; Fabrikdirektor; Eheschließung am 26. Mai 1891 in Prag mit Ida, geb. Wehle, geb. 01.07.1869 Prag

Drei Kinder:
Else Dux, geb. 13.11.1893 in Brandeis an der Elbe
lt. Angabe Bundesarchiv: Emigration Tschechoslowakei, Deportation 01.09.1942 Theresienstadt, verst. 02.12.1942(?)Raasiku (b. Reval); lt. Todeserklärung für Mutter Ida v. 17.04.1949 (Bezirksgericht f. Zivilsachen in Prag I, Abt. XLVIII) aber hat Else Fendler, geb. Dux, überlebt: Anschrift nach 1945 in UK (Hamsteadt, London)

Gartenfest 1912 in Freiberg: 3. v. re.: Elsa Baum

Gartenfest 1912 in Freiberg: 2. v. re.: Else Dux

Haus Silberhofstraße 24; ehemals Wohnhaus

Haus Silberhofstraße 24; Eintrag Adressbuch 1932/1940: Hauseigentümerin Ida Dux

Leo Dux, geb. 05.09.1900 in Welim i. Böhmen; lt. Adressbuch Freiberg 1924/25: Student; in den 30er Jahren Prokurist in der elterlichen Fa.Futtermittel-Handel (Guano-Fabrik) – Firmensitz: Brand-Erbisdorf, Schellenweg 88
lt. Todeserklärung für Mutter Ida v. 17.04.1949 (Bezirksgericht f. Zivilsachen in Prag I, Abt. XLVIII) hat Leo Dux überlebt: Anschrift nach 1945: UK/London / andere Angabe: Lutz Rosenthal (USA) in Brief an Geschichtswerkstatt in den 90er Jahren: Leo Dux sei angeblich nach Seattle/USA ausgewandert.

ein ältester Sohn: Rudolf Dux, geb. 27.03.1892 in Prag1892 – vermutlich bereits 1928 verstorben

 

Mutter Ida Dux:
lt. Todeserklärung v. 17.04.1949 (Bezirksgericht f. Zivilsachen in Prag I, Abt. XLVIII) zuletzt in Prag VII, U Smaltovny Nr. 1375, „als Folge der rassischen Verfolgung seit dem 15.Sept. 1942 vermisst, seitdem sie aus Theresienstadt nach Treblinka deportiert wurde. Als Tag des Todes wird der 15. April 1943“ angenommen, der „letzte Tag der Frist…, deren Ablauf die Annahme begründet, dass die Vermisste verstorben ist“.

Eintrag Datenbank Terezín:
narozena 01.07.1869; poslední bydliště před deportací: Praha: VII; adresa/místo registrace v Protektorátu: Praha: VII., Langemarckstrasse 25 [VII., Langemarcká 25]; transport AAl-270 (02.07.1942 Praha -> Terezín); transport Bv-1490 (15.10.1942 Terezín -> Treblinka); zahynula

Angaben im Bundesarchiv: zuletzt Dresden; Emigration Tschechoslowakei; Deportation: 02.07.1942 Theresienstadt; 15.10.1942 Treblinka

siehe auch: Stolpersteine in Freiberg


Familie Dr. Fischer

Dr. Fischer, Maximilian (geb. 4.12.1876 in Chiesch bei Karlsbad – 22.04.1958 in Freiberg);

Dr. med. Maximilian Fischer in Freiberg

Dr. med. Maximilian Fischer in Freiberg

als Kind jüdischer Eltern geboren; 1901 Promotion Allgemeinmedizin in Iglau;1904 Hochzeit mit Gabriele, geb. Lang (1876-1948/Folgen eines Herzinfarkts), Katholikin, Vater angesehner Baumeister in Iglau; in Iglau Praxis und Familie gegründet; im I. WK Lazarettarzt, verantw. für Errichtung von Lazaretten – hohe österreichische Orden; Chefarzt in Krankenhaus Iglau;

Nach dem deutschen Einmarsch ins Sudetenland am 14. März 1938 wird Dr. med. Fischer als „Volljude“ entlassen („Ruhestand“), 1944 Tragen des Gelben Sterns für ihn. Seine nicht jüdische Frau hält zu ihm und lässt sich nicht scheiden. Am 7. März 1945 nach Prag beordert, erfolgt seine Einweisung in das „Judenlager Hagibor“ in Prag XI und die Deportation in das Ghetto Theresienstadt. Nach der Befreiung im Mai 1945 wird Dr. Fischer von Tschechen interniert. Im Januar 1946 gelangt er nach Freiberg.

Dr.med. Maximilian Fischer in Iglau; Foto: G.-M. Lippmann

Dr.med. Maximilian Fischer in Iglau; Foto: G.-M. Lippmann

Theresienstadt - Geld

Zahlungsmittel im Ghetto Theresienstadt

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Söhne:
Dr.med. Paul Fischer (1906 – 1965); Kinderarzt; nach Studium med. Praxis in Iglau; muss unter den Nazis Praxis aufgeben; 1944 zur Zwangsarbeit in das „Judenlager Postelberg“ bei Brüx; Befreiung am 8. Mai 1945; bald darauf von Tschechen interniert; mit den Eltern Vertreibung nach Altenberg/ im Januar 1946 Freiberg – hier langjähriger Leiter der Kinderabt. Poliklinik; Ehefrau Maria, geb. Petschenka, ein Sohn

JUC Rudi Fischer (1909 – 1930), als Student an Leukämie verstorben

Dr.med. Hellmut Fischer (1916 – 1993); Frauenarzt; Medizinstudium in Prag; musste nach dem Einmarsch der Deutschen im März/Oktober 1938 als „Halbjude“ zunächst untertauchen; Promotion in Prag Dez. 1939; ab April 1940 Assistenzarzt bei Dr. med. Schelbach in Freiberg; ab Juni 1944 Berufsverbot; Zwangsarbeit in Baufirma. Am 08.11.1944 durch das Freiberger Arbeitsamt mit weiteren zehn „Halbjuden“ bzw. in „privilegierter Ehe lebende Mischlinge“ aus Freiberg zur Zwangsarbeit nach Osterode deportiert – Lager DACHS IV (Außenkommando des KZ-Mittelbau-Dora (Stollen für unterirdisches Hydrierwerk der Firma ESSO Hamburg-Fuhlsbüttel in den Kalksteinbergen bei der Petershütte);  Befreiung am 4. April 1945 durch amerikanische Truppen. Als „Häftlingsvertrauensmann“ wirkt er an der kampflosen Übergabe der Stadt Osterode mit. Am 12. Juli 1945 Rückkehr nach Freiberg. Nach Freitod Dr. Schelbachs übernahm er die Klinik; ärztl. Direktor am Freiberger KHS – baute das Gesundheitswesen im klinischen Bereich in Freiberg mit auf (neben Chirurgie, Inneres nun auch Frauenklinik Leipziger Straße, dann Clausallee; Augenklinik und Poliklinik Parkstraße); Chefarzt Frauenklinik, Direktor der Krankenanstalten Freiberg; Ehefrau: Annemarie, geb. Fischer, FA für Frauenkrankheiten, Oberärztin, drei Kinder

Dr.med. Gerald Fischer, (1912 – ?), Zahnarzt; kann durch Hilfe des Chefarztes der Prager Klinik seine Facharztausbildung beenden, danach Ass.arzt, Praxisvertretung in Prag am Wenzelsplatz; noch 1935 lernt er seine spätere Frau Erna als Studentin in Prag kennen (Kinderärztin); nach Kriegsende Flucht aus Troppau; am 21. Mai 1945 Hochzeit; neue Existenz in Freiberg; zwei Söhne, eine Tochter


Fleischner, Otto und Anna, geb. Geiger

Fleischner, Otto, geb. 07.06.1884 in Dobrnice (CSR) – Flucht in den Tod 17.02.1936 in Freiberg; Schneider
Fleischner, Anna, geb. Geiger, geb. 04.12.1886 in Roznotin (CSR) – Deportation am 21.01.1942 von Freiberg/Dresden in das Ghetto Riga, dort ermordet

Tochter: Margarete Fleischner, verh. Lifka, geb. 19.04.1915 in Freiberg – verst. 1961 in Wiesbaden

Postkarte v. 21. Januar 1942 an Polizeiamt Freiberg - Stadtarchiv FG,

Postkarte v. 21. Januar 1942 an Polizeiamt Freiberg – Stadtarchiv FG

Eine unscheinbare Postkarte, bis heute sorgsam im Stadtarchiv aufbewahrt, gehört zu den letzten Spuren der Freibergerin Anna Fleischner. Deren Tochter Margarethe hatte am 21. Januar 1942 zwei Schlüssel an das hiesige Polizeiamt auf dem Obermarkt geschickt. Auf einer Postkarte, abgeschickt in Teplitz, wo sie – verheiratet mit dem Ingenieur Lifka – seit etwa 1938 lebte, erklärte sie, am Vortag, bei der Übergabe der Wohnungsschlüssel „von unserer Mutter, Frau Anna Fleischner, Kreuzgasse 4 II in der Eile und Aufregung“ vergessen zu haben, auch die Boden- und Kellerschlüssel mit zu übergeben. Eine polizeiliche Empfangsnotiz bestätigte korrekt deren Erhalt. Die „Eile und Aufregung“, in die Mutter und Tochter versetzt worden waren, hatte ein wenige Tage zuvor an Anna Fleischner ergangener Bescheid zur „Evakuierung“ ausgelöst. Eiligst musste sie einige in Art und Umfang exakt vorgeschriebene Habseligkeiten packen, die die damals 55-jährige für einen, wie es im amtlichen Schreiben hieß, „längeren Arbeitseinsatz“ benötigen würde. Die Freiberger Ordnungspolizei versiegelte ihre Wohnung und brachte sie zum Sammelplatz nach Dresden. Hier ging sie am 21. Januar 1942 in einem aus Leipzig kommenden Personenzug 3.Klasse „auf Transport“. Ahnte sie, was auf sie wartete? Viktor Klemperer, jüdischer Hochschullehrer in Dresden, selbst in nahezu alltäglicher Demütigung ins „Judenhaus“ gezwungen, hatte in seinem Tagebuch schon am 13.Januar 1942 ein „Gerücht“ festgehalten, es seien „evakuierte Juden bei Riga reihenweise, wie sie den Zug verließen, erschossen worden“. Tatsächlich waren, um für die aus deutschen Städten seit Ende November 1941 im Rigaer Ghetto eintreffenden Deportationszüge „Platz zu machen“, an einem einzigen Tag, dem sog. „Rigaer Blutsonntag“ am 30.11.1941, rund 27.500 lettische Juden in einem nahe gelegenen Wald erschossen worden. Noch vor ihnen jedoch hatten Ordnungspolizei, SS und lettische Hilfstruppen 1.053 Berliner Juden „aus dem Zug heraus“ ermordet, da sie im frühen Morgengrauen dieses furchtbaren Novembertages – gewissermaßen „zu früh“ – eingetroffen waren. Auch von dem Transport, mit dem Anna Fleischner, zusammen mit weiteren 772 Juden aus sächsischen Städten in Riga am 24. Januar 1942 eintraf, überlebten nur 47.

Familienfeier mit Freunden. Hintere Reihe, re: Otto Fleischner, davor re.: Tochter Margarete, li. daneben Ehefrau Anna - Archiv Düsing

Familienfeier mit Freunden. Hintere Reihe, re: Otto Fleischner, davor re.: Tochter Margarete, li. daneben Ehefrau Anna – Archiv Düsing

Eintrag in das Wachbuch des Freiberger Polizeireviers am 17. Februar 1936 - Stadtarchiv FG

Eintrag in das Wachbuch des Freiberger Polizeireviers am 17. Februar 1936 – Stadtarchiv FG

Kreuzgasse 4 (li.)

Kreuzgasse 4 (li.)

Gunter Demnig verlegte Stolpersteine für das Ehepaar Fleischner am 15. Oktober 2008

Gunter Demnig verlegte Stolpersteine für das Ehepaar Fleischner am 15. Oktober 2008

 

 

 

 

 

 

 

 

Anna Fleischner überlebte ihren Mann, den Freiberger Schneider Otto Fleischner, nur wenige Jahre. Er war schon rund sechs Jahre zuvor durch den unbarmherzigen Rassenterror der Nazis in den Tod getrieben worden. Seine kleine Schneiderei und Nähstube in der Kreuzgasse 4 war nach dem Machtantritt der Nazis1933 Schritt für Schritt in den wirtschaftlichen Ruin gezwungen worden. Nach Erlass der Nürnberger Rassegesetze 1935 häuften sich zudem immer wiederkehrende, demütigende Hausdurchsuchungen, von denen Protokolle im Freiberger Stadtarchiv noch heute zeugen. In tiefer seelischer Not und voller Verzweiflung stürzte sich Otto Fleischner am Morgen des 17. Februar 1936 aus dem Fenster seiner Wohnung im zweiten Stock und verstarb wenige Stunden danach im Freiberger Krankenhaus.

siehe auch: Stolpersteine in Freiberg


Freud, Max

Freud, Max, geb. 20.06.1882 in Gutti (Bez. Teschen – schlesische Beskiden) – gest. 05.09.1942 KZ Dachau; Frisör, Handelsvertreter
Freud, Wally, geb. Richter (1. Ehefrau), geb. 1886 – gest. 19.01.1932 Freiberg; nicht-jüdisch
5 Kinder (aus erster Ehe)
Freud, Ottilie, geb. Lwowski (2. Ehefrau), geb. 04.12.1883 Königshütte (Chorzów); nicht-jüdisch) – Todesdatum unbekannt

Max Freud; Aufnahme um 1938/39 - Stadtarchiv FG

Max Freud; Aufnahme um 1938/39 – Stadtarchiv FG

Mein Weg, Herr Oberbürgermeister, ist schon bestimmt. Ich ziehe die logischen Konsequenzen der heutigen Zeit, nur möchte ich meine Frau, die ich durch die Heirat als Nichtarier unglücklich gemacht habe…retten“, schrieb der Freiberger Weinhändler Max Freud in tiefster Verzweiflung Anfang März 1939 an den damaligen Freiberger Oberbürgermeister Dr. Werner Hartenstein.
Nur selten vermögen trockene Akten das Bild einer menschlichen Tragödie so bedrückend nachvollziehbar machen, wie jene, die sich im Stadtarchiv Freiberg unter „Ausländersachen 1935 – 1945“ zu dem aus dem tschechisch-polnischen Grenzgebiet Teschen (heute Cieszyn/Český Těšín) stammenden Handelsvertreter Max Freud noch heute finden lassen. 1909 hatte sich der damals 26-Jährige in Freiberg niedergelassen und war hier 1911 zum lutherischen Glauben konvertiert. Er ernährte als sächsischer Vertreter eines großen Weinhauses aus Bingen am Rhein eine bald immer größer werdende Familie (fünf Kinder). Ein Freiberger Polizeibeamter beschrieb ihn später, als die Nazis längst zur Macht gekommen waren, als einen „eher ruhigen, etwas menschenscheuen Mann“, nie streitsüchtig und nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Nach dem frühen und plötzlichen Tod seiner ersten Ehefrau Wally zu Beginn des Jahres 1932 heiratete Max Freud bald erneut, damit seine zu dieser Zeit noch im Haushalt lebenden vier minderjährigen Kindern auch weiter Liebe und Zuwendung erfahren konnten. Mit dem Machtantritt der Nazis 1933 geriet Freud immer stärker unter Druck, verlor Kunden und Einkommen und schließlich, im Sommer 1938, endgültig die Arbeitserlaubnis. Ende 1938 musste er seinen Gewerbeschein abgeben. Immer verzweifelter versuchte Max Freud, sich und seine Familie vor dem Ruin zu retten.
Spätestens nach dem Novemberpogrom der Nazis, der sog. „Reichskristallnacht“ am 9. November 1938, mag ihm wie so vielen anderen verfolgten Juden endgültig klar geworden sein, dass es nicht mehr allein um die wirtschaftliche Existenz ging. Sein geradezu Flehen um auch nur geringste Hilfe bei Arbeitsamt, Gewerbeamt, Oberbürgermeister, ja selbst bei der Gestapo, verhallte wirkungslos. Er war in die bürokratischen Mühlen der Judenverfolgung „von Amts wegen“ geraten, die keine Ausnahme und erst recht keine Gnade vorsah. Um wenigstens seine nichtjüdische Frau und seine, nach der Terminologie der Nürnberger Rassengesetze, „halbjüdischen“ Kinder zu schützen, war er sogar bereit, dem Druck der Gestapo auf „Annullierung“ seiner Ehe nachzugeben, möglicherweise nicht ahnend, dass er damit für sich selbst den letzten Schutz in einer, wie die Nazis es nannten, „privilegierten Mischehe“ verlor. Er versuchte nun vergeblich, eine Auswanderungsgenehmigung in seine Geburtsheimat zu erlangen (die inzwischen kurzzeitig polnisch geworden war, bevor die Wehrmacht Polen im September 1939 angriff und auch diese Beskidenregion, aus der Max Freud stammte, dem Deutschen Reich einverleibte). Schließlich bot er sogar seinen Militärdienst in der Deutschen Wehrmacht an – natürlich erst recht vergeblich.
Max Freud zog – sehr wahrscheinlich unfreiwillig – aus der ehelichen Freiberger Wohnung aus und wurde zur Untermiete bei einem Freiberger Leidensgefährten gedrängt (nach dem im April 1939 in Kraft getretenen „Gesetz über Mietverhältnisse mit Juden“ war der Mieterschutz für Juden aufgehoben und Juden wurden verpflichtet, wohnungslose Juden bei sich aufzunehmen). Immer wieder sah er sich Denunziationen und Verleumdungen ausgesetzt.

Denunziationsschreiben im Juli 1939; Stadtarchiv FG

Denunziationsschreiben im Juli 1939; Stadtarchiv FG

So argwöhnte eine Freiberger „Weinverteilerfirma“ in einer Anzeige Mitte 1939, Max Freud gehe weiter einem für ihn nicht mehr erlaubten Gewerbe, dem Weinhandel, nach und nutze, möglicherweise illegal, dazu ein Fahrzeug, das zu besitzen doch inzwischen allen Juden untersagt sei. Im Juli 1940 musste Max Freud in ein Dresdner „Judenhaus“ einziehen. Nach der „Verordnung über die reinliche Scheidung zwischen Juden und Ariern in Dresden“ von 1940 wurden Juden gezwungen, bis zum 31. März 1940 in sog. „Judenhäuser“ zu ziehen, von denen es in Dresden zu diesem Zeitpunkt 32 gab („um Störungen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zu vermeiden“).

Am 25. November 1941 verhaftet die Gestapo Max Freud unter dem Vorwurf der „Rassenschande“. Festgenommen wurde er in der Wohnung seiner inzwischen ebenfalls nach Dresden verzogenen Ehefrau Ottilie. Vermutlich wurde er denunziert, als er Zärtlichkeiten mit seiner Ehefrau austauschte, von der getrennt zu leben er gezwungen worden war. Freud verbrachte qualvolle Monate in Gestapo-„Schutzhaft“, bevor er am 10. April 1942 mit dem Eingangsvermerk: „hat arische Frau geküßt“ in das KZ Buchenwald eingeliefert wurde. Dort dürfte er einem anderen Freiberger begegnet sein: dem im Juni 1942 zum SS-Obersturmführer beförderten „ganz besonderen Schinder von Buchenwald“, dem 2. SS-Schutzhaftlagerführer Wolfgang Plaul (geb. 1909 in Freiberg – verschollen 1945). Eugen Kogon (1903-1987), Häftling in Buchenwald, nach der Befreiung einer der bedeutendsten Publizisten der Bundesrepublik und einer der ersten, der das verbrecherische System der Konzentrationslager detailliert beschrieben hatte („Der SS-Staat“, München 1946), bezeichnete Plaul als „einen ganz besonderen Judenhasser“. Am 6. Juli 1942 wurde Max Freud in das KZ Dachau überführt. Dort überlebte er nur zwei Monate. Am 5. September 1942 starb Max Freud im KZ Dachau im Alter von nur 59 Jahren.

Eintrag in der Häftlingsnummernkartei des KZ Buchenwald; ThHStA Weimar

Eintrag in der Häftlingsnummernkartei des KZ Buchenwald; ThHStA Weimar

Siehe auch ausführlich unter: Freiberg unterm Hakenkreuz 1933 – 45

 


Freudmann, Richard

Schauspieler am Freiberger Theater in der Spielzeit 1932/33 – keine weiteren biografischen Angaben

Vorabveröffentlichung aus einer geplanten Studie über „Freiberg unterm Hakenkreuz 1933-45“:

Richard Freudmann – einer „der besten des Abends“, und seine Enttarnung als „Rassenfremder nichtarischer Herkunft“
(Autor: M. Düsing, Geschichtswerkstatt Freiberg, Februar /März 2016)

NSDAP-Bezirksschulrat Rudolf Clauß, Mitglied im Förderausschuß der Deutschen Bühne, Ortsgruppe Freiberg, und Ratsherr, feierte in der Presse und in großspurigen Auftritten die Wiederherstellung der deutschen Bühne im Freiberger Theater als Kunststätte deutschen Wesens. Unter der Überschrift Wer hat das deutsche Theater ruiniert? dozierte er über den jüdischen Einfluß in Literatur und Theater. Dieser sei noch vor kurzem auch am Freiberger Theater gefeiert worden – zum Beispiel in der noch von Rueff verantworteten Inszenierung des von zwei Juden geschriebenen Bühnenstücks ‚Mahagoni‘ (gemeint waren Bertolt Brecht und Curt Weill – M.D.). Diese erbärmliche, niedrige materialistische Mentalität überwunden zu haben, sei auch ein Verdienst der nationalen Erhebung. Freiberg sei nach Hitlers Machtantritt zu einer glückhaften Stadt geworden, troff es aus der Feder des Freiberger Oberschulrats und „Kulturpolitikers“ Clauß, da sich deutscher Geist endlich wieder in den altehrwürdigen Mauern der Stadt entfalten könne. In ihrem Eifer hatten die glückhaften Nazi-Bürger der Stadt ausgerechnet am 1. April 1933, dem Tag des deutschlandweit ausgerufenen ersten „Judenboykotts“, eine Aufführung der Operette „Wiener Blut“ unter der Regie von Richard Freudmann gefeiert. Der habe zugleich als Sänger und Tänzer zu den besten des Abends gehört, wie in einer Rezension am Folgetag im Freiberger Anzeiger nachlesbar war.[1]

Horst-Tanu Margraf, der kommissarisch eingesetzte künstlerische Theaterleiter, hatte gerade noch über diese Aufführung geprahlt, mit ihr könne die technische und künstlerische Umgestaltung des Theaterbetriebes als vollzogen gelten. Nur drei Tage später aber, am 5. April 1933, erfuhr der Leser des Anzeigers: Die Leitung des Stadttheaters teilt uns mit, daß ihr sowohl von der Bezirksleitung der NSDAP Ulm a.D. als auch von der Intendanz des dortigen Stadttheaters die Auskunft zuteilwurde, daß Richard Freudmann Jude sei! Der auch unter dem Künstlernamen Fred Allen agierende Freudmann habe eine rumänische Jüdin als Mutter, bestätige auch das Reichskulturamt der NSDAP in Berlin. Freudmann sei umgehend entlassen worden, im Übrigen auch die am Theater gastierende Schauspielerin Jonasson-Günther, letztere allerdings wegen kommunistischer Betätigung.[2]

Die Jagd auf Rassenfremde nichtarischer Herkunft nahm mit dem am 7. April 1933 schließlich erlassenen Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums deutlich Fahrt auf. Es gab den Kommunalpolitikern, also auch Werner Hartenstein, endlich die juristische Handhabe, missliebige Personen, vor allem Kommunisten und andere unverbesserliche Marxisten, ganz besonders aber auch Juden auf „gesetzlichem Weg“ aus dem öffentlichen Dienst und allen ihm gleichgestellten Einrichtungen und Unternehmen – auch aus den Theatern – zu entfernen. Die Nationalsozialisten griffen den späteren „Arier“-Paragrafen der 1935 erlassenen Nürnberger Rassengesetze vor. Als „nichtarisch“ galt ab sofort, wer von nichtarischen, insbesondere jüdischen Eltern und Großeltern abstammt. Es genügt, wenn ein Elternteil oder ein Großelternteil nichtarisch ist. Dies ist insbesondere dann anzuwenden, wenn ein Elternteil oder Großelternteil der jüdischen Religion angehört hat.[3] Ausnahmen galten für Personen, die schon seit dem 1. August 1914 Beamte waren, die „Frontkämpfer“ im Ersten Weltkrieg gewesen waren oder deren Väter oder Söhne im Ersten Weltkrieg gefallen waren. Der Amtsapparat konnte seine bürokratischen Aufgaben erfüllen. Und die Kirchgemeindeämter aller christlichen Konfessionen bekamen alle Hände voll zu tun, um aus alten Taufregistern Belege für die nun millionenfach gefragten Arierpässe und arischen Stammbaumnachweise zu erbringen.

NSDAP-Ratsherr Roland Clauß jedenfalls konnte nach der Entfernung artfremder und politisch unerwünschter Personen wie Rueff, Freudmann oder Jonasson-Günther aus dem Freiberger Kulturleben befriedigt konstatieren, dass nun ein durchgreifender Wandel geschafft sei.

Richard Freudmann - Stadtarchiv FG

Richard Freudmann – Stadtarchiv FG

Freiberger Anzeiger v. 13.04.1933

Freiberger Anzeiger v. 13.04.1933

Sammlung Kulturbelege 1932/33 - Stadtarchiv FG

Sammlung Kulturbelege 1932/33 – Stadtarchiv FG

 


 Friedländer, Isidor und Emma, geb. Löwe

Friedländer, Isidor, geb. 01.05.1855 Lübben – Todesdatum unbekannt; Verkäufer
Friedländer, Emma, geb. Löwe, geb. 29.07.1862 in Preußen – gest. 30.09.1922 Freiberg

Grabstell Emma Friedländer auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in Dresden, ATL 06/04

Grabstelle Emma Friedländer auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in Dresden, ATL 06/04

Zwei Geschwister von Isidor Friedländer lebten/arbeiteten ebenfalls in Freiberg:
Bruder Siegfried Friedländer, Kaufmann; Verkäufer im Geschäft „Zur Zentrale“, Hornstraße 1; damaliger Inhaber: Salomon Braun
Schwester Hulda Friedländer, verheiratet mit Jomtow (Leopold) Loewenthal, geb. 01.11.1853 – 14.05.1914; Geschäftsinhaber „Warenhaus zur goldenen 24“, Burgstraße 24 (heute 22), seit 1886 – Verkauf an Ludwig Weinberg vor dem 1. Weltkrieg
Zu einer dritten Schwester: Jenny Friedländer, geb. 02.12.1869, sind keine weiteren Angaben vorhanden.

Töchter des Ehepaars Isidor und Emma Friedländer:

Friedländer, Martha, „Haustochter“ (führte den Haushalt der Familie Alfred Weinberg), geb. 14.02.1892 in Gommern b. Magdeburg,
und Lucie, geb. 07.07.1898 in Glauchau, Verkäuferin im Modegeschäft „Goldene 24″/Burgstraße, das noch vor dem 1. Weltkrieg der Dresdner Kaufmann Ludwig Weinberg erworben hatte. Geschäftsführer war dessen in Freiberg, zusammen mit Ehefrau Charlotte (ebenfalls in Burgstraße 24) wohnender Bruder Alfred Weinberg. In dessen Abwesenheit führte Lucie Friedländer das Geschäft.
Beide wohnten – auch nach dem Tod der Eltern – in Burgstraße 24 („Goldene 24“).

Gartenfest 1912: ganz links Lucie Friedländer

Gartenfest 1912: ganz links Lucie Friedländer

 

Nach Auskunft des in die USA emigrierten Lutz Rosenthal (verst. 2008) überlebten die Geschwister Martha und Lucie durch Flucht 1937/38 nach Großbritannien (Glasgow/Schottland).

 

 

 


 

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